Legionellen im Wasser – Risiken, Symptome und Schutz für Ihr Zuhause
- Was sind Legionellen?
- Vorkommen und Vermehrung von Legionellen
- Übertragung von Legionellen
- Krankheitsbild & Legionellen-Symptome
- Vorbeugung & Massnahmen gegen Legionellen
- Rechtliches: Pflichten des Vermieters
- Wie kann ich mein Wasser auf Legionellen testen?
- FAQ – Häufige Fragen
1. Was sind Legionellen?
Legionellen (Legionella pneumophila) sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlicherweise in Süssgewässern, Seen und Flüssen vorkommen. Ihren Namen erhielten sie nach einem Ausbruch an einem Kongress der American Legion in Philadelphia im Jahr 1976.
In geringen Konzentrationen sind sie meist unproblematisch. Kritisch wird es, wenn sie sich in technischen Wassersystemen wie Warmwasseranlagen, Klimaanlagen oder Whirlpools stark vermehren.
Sind Legionellen im Wasser sichtbar?
Nein. Legionellen sind mit blossem Auge nicht erkennbar. Weder Farbe, Geruch noch Geschmack des Wassers verändern sich. Nur eine Laboranalyse bringt Klarheit.
Wissenswertes
Es gibt über 60 bekannte Legionella-Spezies und mehr als 70 Serogruppen. Besonders relevant ist Legionella pneumophila Serogruppe 1.
Einordnung
- Gattung: Legionella
- Wichtigste Art: Legionella pneumophila
- Zellform: Stäbchenförmig
- Gram-Färbung: Gramnegativ
- Lebensweise: Intrazellulär
- Natürliches Habitat: Süssgewässer und feuchte Böden
2. Vorkommen und Vermehrung von Legionellen
In der Natur kommen Legionellen in geringer Dichte vor. Gefährlich werden sie vor allem in künstlichen Wassersystemen, wenn mehrere Bedingungen zusammenkommen:
Wie schnell bilden sich Legionellen?
Bei optimalen Temperaturen von 35–37 °C können sich Legionellen unter idealen Bedingungen alle 2–6 Stunden verdoppeln. Innerhalb weniger Tage können daraus sehr hohe Keimzahlen entstehen.
Temperatur & Wachstum
Risikobehaftete Orte
- Warmwasserspeicher: hohes Risiko durch stehendes Wasser und kritische Temperaturen
- Duschköpfe und Armaturen: hohes Risiko durch Biofilm und Aerosolbildung
- Selten benutzte Leitungen: hohes Risiko durch stagnierendes Wasser
- Kühlwassertürme: hohes Risiko durch grosse Aerosol-Freisetzung
- Whirlpools und Spas: mittleres bis hohes Risiko durch warme Temperaturen und Aerosole
- Kaltwasserleitungen unter 20 °C: geringeres Risiko, sofern die Temperatur stabil tief bleibt
Wissen Sie, ob Ihr Warmwassersystem sicher ist?
Mit einem professionellen Legionellentest erhalten Sie Klarheit über die Belastung Ihres Wassers.
3. Übertragung von Legionellen
Legionellen werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Eine Infektion erfolgt durch das Einatmen von legionellenhaltigem Aerosol, also feinsten Wassertröpfchen in der Luft. Das Trinken von kontaminiertem Wasser führt in der Regel nicht zur Erkrankung.
- Kontaminiertes Warmwasser
- Aerosolbildung, zum Beispiel beim Duschen
- Einatmen feinster Wassertröpfchen
- Mögliche Infektion der Lunge
Besonders gefährdet
Ein erhöhtes Risiko haben ältere Personen, Raucherinnen und Raucher, Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie Personen mit chronischen Lungenerkrankungen oder Diabetes.
4. Krankheitsbild & Legionellen-Symptome
Eine Infektion mit Legionellen kann zwei unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen: das meist mild verlaufende Pontiac-Fieber und die deutlich schwerere Legionärskrankheit.
Pontiac-Fieber
- Fieber
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Müdigkeit und Unwohlsein
- Meist selbstlimitierend
- Keine Lungenentzündung
Legionärskrankheit
- Hohes Fieber
- Husten
- Atemnot oder Brustschmerzen
- Übelkeit oder Durchfall
- Verwirrtheit oder Benommenheit
Die Inkubationszeit beträgt je nach Krankheitsbild wenige Stunden bis mehrere Tage. Die Legionärskrankheit ist eine Form der Lungenentzündung und muss ärztlich behandelt werden.
Wichtig
Bei hohem Fieber, Husten oder Atemnot nach möglichem Kontakt mit belastetem Wasser sollte rasch ärztlicher Rat eingeholt werden.
5. Vorbeugung & Massnahmen gegen Legionellen
Legionellen lassen sich durch technische und betriebliche Massnahmen gut kontrollieren. Entscheidend sind vor allem die richtige Temperatur, regelmässige Nutzung der Leitungen und eine fachgerechte Wartung.
Präventionsmassnahmen Schritt für Schritt
- Warmwassertemperatur korrekt einstellen
Boiler auf mindestens 60 °C einstellen und regelmässig kontrollieren. - Stagnation vermeiden
Selten benutzte Zapfstellen regelmässig spülen und nicht mehr benötigte Leitungen vermeiden. - Duschköpfe und Armaturen reinigen
Duschköpfe regelmässig entkalken und reinigen, da sich dort Biofilm bilden kann. - Wasserproben entnehmen
Besonders in Mehrfamilienhäusern, Hotels, Heimen oder Betrieben empfiehlt sich eine Laboranalyse. - Fachgerechte Planung sicherstellen
Kurze Leitungswege, gute Isolierung und keine Totstränge reduzieren das Risiko deutlich.
6. Rechtliches: Wozu ist der Vermieter bei Legionellen verpflichtet?
In der Schweiz tragen Vermieter und Liegenschaftseigentümer eine Sorgfaltspflicht für die Trinkwasserqualität. Die Wasserinstallation muss so betrieben und gewartet werden, dass keine Gesundheitsgefahr entsteht.
Pflichten des Vermieters
Bei erhöhten Legionellenwerten müssen geeignete Massnahmen ergriffen werden. Dazu gehören je nach Situation eine thermische Desinfektion, die Information der betroffenen Personen, eine Ursachenabklärung und gegebenenfalls eine Nachkontrolle.
- Lebensmittelgesetz: Trinkwasser muss genusstauglich sein.
- Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung: regelt Anforderungen an Trinkwasser.
- SVGW W3: technische Anforderungen an Trinkwasserinstallationen.
- SIA 385/1: Vorgaben für Planung und Betrieb von Warmwasseranlagen.
- Kantonale Vorgaben: können zusätzliche Anforderungen enthalten.
Kommt ein Vermieter seiner Pflicht nicht nach und entsteht dadurch ein Gesundheitsschaden, können Haftungsfragen entstehen. Regelmässige Legionellentests helfen, die Sorgfaltspflicht nachvollziehbar zu dokumentieren.
7. Wie kann ich mein Wasser auf Legionellen testen?
Legionellen sind weder sichtbar noch riechbar. Ein professioneller Labortest ist deshalb die zuverlässigste Methode, um eine Belastung nachzuweisen.
So läuft ein professioneller Legionellentest ab
- Probenahme planen
Für belastbare Ergebnisse sollten geeignete Entnahmestellen festgelegt werden. - Richtige Entnahmestellen wählen
Typisch sind Boiler, Dusche, Warmwasserleitung und selten genutzte Zapfstellen. - Analyse im Labor
Die Probe wird mikrobiologisch untersucht und als KBE pro 100 ml ausgewiesen. - Massnahmen ableiten
Bei auffälligen Werten sollten Ursache, Temperaturführung und Installation geprüft werden.
Legionellen im Wasser testen lassen
Mit einem professionellen Legionellentest erhalten Sie Klarheit über die Belastung Ihres Wassers.
8. FAQ – Häufige Fragen zu Legionellen im Wasser
Sind Legionellen im Wasser gefährlich?
Ja. Legionellen können eine schwere Lungenentzündung verursachen. Besonders gefährdet sind ältere Personen, Raucherinnen und Raucher sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Wie schnell bilden sich Legionellen im Wasser?
Bei günstigen Bedingungen wie warmem, stehendem Wasser und Biofilm können sich Legionellen innerhalb weniger Tage stark vermehren.
Sind Legionellen im Wasser sichtbar?
Nein. Legionellen verändern weder Farbe, Geruch noch Geschmack des Wassers. Nur ein Labortest bringt Klarheit.
Welche Symptome können auftreten?
Mögliche Symptome sind Fieber, Husten, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeines Krankheitsgefühl. Bei starken Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Was tun bei positivem Legionellentest?
Betroffene Zapfstellen sollten vorsorglich nicht genutzt werden. Danach sollten Fachpersonen die Anlage prüfen, geeignete Massnahmen einleiten und eine Nachkontrolle durchführen.
Welche Temperatur tötet Legionellen ab?
Hohe Temperaturen reduzieren Legionellen deutlich. Deshalb ist eine ausreichende Warmwassertemperatur ein zentraler Bestandteil der Prävention.
Muss der Vermieter den Legionellentest bezahlen?
In Mietliegenschaften ist grundsätzlich der Eigentümer beziehungsweise Vermieter für den sicheren Betrieb der Wasserinstallation verantwortlich.
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